Neva Left? (Teil 4)
Die Diskographie von Snoop Dogg: Teil 4 - Seltsames, Schlechtes und eine positive Überraschung
…und da sind wir auch schon am Ende der Reise angelangt. Um es direkt vorwegzunehmen: Das meiste, was jetzt kommt, hat zum Release höchstens beinharte Snoop Dogg Fans gejuckt. Die Verkaufszahlen sind von fucking 800.000 verkauften Einheiten in der ersten Woche von “Doggystyle” auf vergleichsweise lächerliche 5.000 Einheiten von “Bible of Love” abgestürzt. Klar, Snoop war omnipräsent wie eh und je und sein Auftritt beim Superbowl an der Seite Dr. Dres war auch nice (Snoop auch einfach Crip to the fullest im Bandana-Tracksuit). Aber seit gut 10 Jahren ist Snoop musikalisch zunächst damit beschäftigt, seine eigene Legacy zu verwalten. Und zwar mit kernigen Ansagen der Marke “Wisst ihr noch damals? Death Row und so? Das war kraaaaaassss. Wir haben Hip Hop erfunden!”.
Apropos Death Row: Snoop hat sein altes Label - bzw. das, was davon übrig war -irgendwann einfach gekauft. Seine Labelhistorie wurde irgendwann zu unübersichtlich, um jeden einzelnen Wechsel zu erwähnen (Wikipedia listet nicht weniger als 20 (!) Labels), aber den Kauf von Death Row habe sogar ich aus der Ferne mitbekommen. Der Frieden mit Suge Knight (dem er einst übrigens einen seiner extrem seltenen Disstracks widmete) wurde auch besiegelt. Hat mich für Snoop gefreut, ihm schien es was zu bedeuten.
Am Ende dieses Posts kommen noch ein Ranking. Damit verabschiede ich mich erstmal wieder, aber irgendwann wird’s mit einem anderen Artist / Band weitergehen. Bin mir da noch unschlüssig, hab ein bisschen was auf Halde. Genremäßig bin ich eigentlich überall unterwegs, mal sehen. Danke an alle, die mitgelesen haben!
16. Bible of Love (2018)
„Bible of Love“ als ein Studioalbum von Snoop Dogg zu bezeichnen, ist ein vollkommener Witz. Das Teil ist eher eine (geradezu absurd lange) kuratierte Playlist, auf der Snoop Dogg ab und an den Host spielt und selten mal ein bisschen mitmacht. Der Großteil besteht aber einfach aus Gospelsongs, auf denen ebendieser Host nicht – und damit meine ich keine einzige Sekunde – stattfindet. Stattdessen hat er sich verschiedene Gospelartists in die Arche geholt und die bieten halt ihre Lieder über Jesus Christ THE LAWD dar. Klar, Gospel dürfte nicht jedermanns Sache sein. Ich persönlich habe in meiner Jugend aber viele Kirchen und Gemeinden von innen sehen müss- ähhhh dürfen und deswegen durchaus Zugang zu christlicher Musik und insbesondere traditionellen Gospel. Also kann ich hier was für mich mitnehmen, die tighten Performances von Faith Evans („Saved“), B-Slade („Pain“ und ganz klar „On Time“) etwa. Klar, nicht jedes der ZWEIUNDREIßIG Stücke (es hört einfach nicht aaaaaaaaauuuuuf mit den Marathonalben) garantiert den Eintritt in die himmlischen Pforten, aber da sind durchweg Profis an den geistlichen Geräten und viel Können am Start. Auf der zweiten Hälfte des Doppelalbums kommen dann auch modernere Klänge. Die Gemeinde verlässt nach ZWEI STUNDEN erleuchtet und ermüdet den Saal und wundert sich, wo eigentlich Snoop Dogg war.
Bewertung: 2,5 von 5 christliche Doggydogs
Empfehlung: Das ist sehr special interest, aber wenn ihr da reinhören wollt, meidet einfach die Lieder von Snoop Dogg (hehe).
17. I Wanna Thank Me (2019)
Album Numero 17 des Doggfathers. Kinder, wie die Zeit verfliegt, wenn man Spaß hat! Damit meine ich Spaß mit anderen Sachen im Leben, denn „I Wanna Thank Me“ zahlt seinerseits wenig ins Spaßkonto ein. Das Album ist mal wieder ein Pop-Rap-Potpourri aus allen Stilen. Kaum wirklich scheiße, nichts wirklich gut. Ein, zwei Produktionen stechen wie immer hervor (Slick Rick als Bürgerrechtler auf „So Misinformed“ und das orchestrale „First Place“ von DJ Green Lantern). Sonst? Leere, gähnende Leere, kein Druck, keine Power. „I Wanna Thank Me“ will ein Pop-Album sein, schielt sogar in Richtung Latin Music (mit einem Anitta Feature, einer der wenigen Hinhörmomente). Dafür schraubt Snoop den Edgyness Grad runter, erwischt dabei aber aus Versehen den Unterhaltungs-Grad und vergisst die Hits. Genau wie ich dieses Album vergessen werde. Darauf freue ich mich schon. Aber die guten Nachrichten: Das hier ist der letzte 8000er in Snoop Doggs Hochgebirge, nochmal jenseits der 70 Minuten. Alles, was jetzt kommt, wird dagegen eine Sonntagswanderung in der Voreifel.
Bewertung: 2 von 5 Doggydogs
Empfehlung: „Let Bygones Be Bygones" ist einer der angenehm stimmungsvollen Nostalgiesongs.
18. From Tha Streets 2 Tha Suits (2021)
Ich saß im ICE von Köln nach Berlin und dachte mir, da hörste mal gerade “From Tha Streets 2 Tha Suits”. Die kurze Spielzeit hatte mich gereizt, das konnte man schnell wegsnacken. Also flux angemacht und direkt keinen Bock mehr gehabt. Ich schreib parallel immer so ein, zwei Wörter zu jedem Song, um mich dran erinnern zu können. Hier steht schon neben dem höllischen zweiten Song „Lass es bitte aufhören“. Eine halbe Stunde später war „From Tha Streets 2 The Suites“ dankenswerterweise vorbei und ich befand mich in einer Art Trance und ungefähr auf Höhe Hannover. Suffice to say: Todesöde, kein Aufwand oder Enthusiasmus seitens Snoops auszumachen. Über die Produktionsqualität und den Sound könnte man heulen. Ein paar Beats sind nicht ganz übel, dafür allerdings fast alle Features. „Say It Witcha Booty“ ist so unsagbar scheiße, ich erwog kurz, aus dem Zug auszusteigen - bei voller Fahrt. Ich habe so hingerotzte Scheiße einfach satt, komm hau ab damit. Gott sei Dank bin ich bald durch. Hört dieses Album nicht.
Bewertung: 0,5 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Lasst es einfach.
19. BODR (2022)
„Let's make a real record with real effort“ rappt Snoop auf dem ulkigen „Crip Ya Enthusiasm“ und ich möchte sagen: Das ist doch mal was Neues und ne gute Idee! Anscheinend muss Snoop erst sein altes Label zurückkaufen, um wieder Motivation zu verspüren. Mir soll’s recht sein, denn BODR (Bacc on Death Row) ist Snoop Doggs bestes Werk seit vielen, vielen Jahren. Eine Standout-Single gibt es zwar nicht, aber dafür ist das Material auf dem Album fast durchgehend solide bis hochklassig. Hit-Boy darf einige Instrumentals beisteuern und die sind alle ziemlich klasse. Generell: Gute Produktion, auch von Soopafly und mal wieder Battlecat. Aber auch Snoop muss sich nicht verstecken. Seine Raps klingen fresh und es steckt tatsächlich mal wieder so etwas wie Songwriting in vielen Liedern. Sogar die Features geben sich Mühe. Mit sowas rechnet man nach 19 Alben nicht mehr. Zur Wahrheit gehört aber auch: Dass, was bei einigen anderen Rappern unter der Kategorie „solide Erweiterung des Katalogs“ laufen würde, läuft bei Snoop Dogg in der Kategorie „Highlights der Albenkarriere“.
Bewertung: 3,5 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Rundum gelungenes Ding. Geheimtipp: “Catch a Vibe”.
20. Missionary (2024)
Wir schließen den Laden mit dem letztjährig erschienenen „Missionary“. Da ging der Puls vor Vorfreude gleich hoch, weil seit 1993 wieder exklusiv Dr. Dre im Producerstuhl saß. Das Resultat ist…seltsam. Sofort fällt auf, wie totproduziert der Sound ist. Crisp, glasklar und leider corporate ohne Ende. Da steckt Geld drin, aber kein Leben. Die Instrumentals sind oft heillos überladen, verworren und überambitioniert. Was sollen denn bitte Beatswitches in Snoop Dogg Songs? Sind wir hier bei Kendrick Lamar? Mir kann keiner erzählen, dass auch nur ein Beat von Dr. Dre selbst gemacht wurde oder aber (wahrscheinlicher) Dre ist ohne fähige Zuarbeiter aufgeschmissen. Snoop Dogg rappt über weite Strecken gut. Dr. Dre eher nicht. Wenn die Beats mal etwas atmen können, kommt auch manchmal was Ordentliches bei raus, aber denen wird regelmäßig die Luft abgedreht. Von G-Funk und der Coolness vergangener Tage fehlt aber leider häufig jede Spur. Dafür neu: Boomerigkeit, Dadrock-Samples und schrottige Hooks. Eine teure Enttäuschung zum Abschluss.
Bewertung: 2 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Hört lieber nochmal “Doggystyle”. Oder “Gorgeous”, der geht auch.
Am Ende gibt es noch das ultimative Snoop Dogg Albenranking:
Klassiker:
1. Doggystyle
Kann man gut hören:
2. No Limit Top Dogg
3. BODR
4. Tha Blue Carpet Treatment
Immer noch stabil:
5. Neva Left
6. Tha Last Meal
Hit or Miss:
7. R&G (Rhythm & Gangsta): The Masterpiece
8. Paid Tha Cost To Be Da Bo$$
9. Reincarnated
10. Bush
Mostly Miss:
11. CoolAid
12. Doggumentary
13. Missionary
14. I Wanna Thank Me
Arbeit:
15. Ego Trippin'
16. Da Game Is to Be Sold, Not to Be Told
17. Tha Doggfather
Unbezahlte Arbeit:
18. From Tha Streets 2 Tha Suits
19. Malice n Wonderland
Außer Konkurrenz:
Bible of Love
So das war es nun aber wirklich. Nochmal danke an alle, die bis hier hin mitgelesen haben!






