Neva Left? (Teil 3)
Die Diskographie von Snoop Dogg: Teil 3 - Verwaltungsmodus und Experimente
Wir starten die 2010er. Snoop Dogg ist ein Star und ein gefragter Feauturegast auf den damals sehr prävalenten Popsongs-mit-Gastpart-von-einem-Rapper. So um 2010 herum konnte aber auch das x-te Feature nicht verschleiern, dass die Alben und Songs von Snoop selbst nicht mehr so richtig performten. Klar, um die Zeit performte wegen Filesharing eh nichts, aber dennoch: Hype um ihn war long gone. Könnte an den durchwachsenen Alben gelegen haben. Snoop hatte zu diesem Zeitpunkt aber schon Narrenfreiheit und seine Karriere in Richtung Schauspiel und generellem Promitum diversifiziert. Musik hat er natürlich trotzdem gemacht und zwar immer noch in einem stabilem Arbeitspensum. Man kann ihm wirklich viel vorwerfen, aber Faulheit gehört nicht dazu.
Eine kleine Vorbemerkung noch: In diese Zeit fällt mit der Wiz Khalifa (remember?) und Bruno Mars Kollabo “Young, Wild and Free” Snoop Doggs letzter richtiger Hit. Der erschien auf dem Soundtrack zur Direct-to-DVD Stoner Comedy “Mac & Devin Go to High School”, in dem Wiz und Snoop die Hauptrollen spielen. Ich hab den nicht gesehen, aber der damals 41-jährige Snoop mimt einen Schüler und “critical reception was overwhelmingly negative”. Das sollten genug Informationen sein.
Wir machen derweil fröhlich weiter.
11. Doggumentary (2011)
Nach dem Totalausfall namens „Malice n Wonderland“ konnte es nur bergauf gehen und tatsächlich stabilisiert sich Snoop auf „Doggumentary“ etwas. Das Ding sortiert sich irgendwo im füllerbeladenen Mittelfeld seiner Diskographie ein. Wir kratzen wieder an den 80 Minuten, von denen 40 ohne größere Verluste hätten gestrichen werden können. Ohne einen Dr. Dre oder den Neptunes gibt es einen Lieferengpass in der Warengruppe „geile Beats“, der nur selten überwunden wird. Die Mr. Porter Produktion „My Own Way“ ist da positiv zu erwähnen, dann noch Kanyes und Battlecats Sachen. Die Gorillaz steuern auch noch eine unfertige Demo bei, die Damon anscheinend noch auf dem Rechner hatte. Zu Snoops Performance gibt es wenig zu sagen, der läuft auf Autopilot. Etwas experimentierfreudiger ist „Wet“, das in etwa so sexy ist wie Massenarbeitslosigkeit. Selten hat man sich David Guetta so herbeigesehnt. Dann singt er auch mal wieder einen Countrysong mit Willie Nelson und es ist – wenig überraschend – vollkommen fehl am Platz. Sonst nichts weiter erwähnenswert, ähnlich wie das ganze Album.
Bewertung: 2 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Wenig Empfehlenswertes zu finden. Aber ich mag „My Own Way“ echt gern.
12. Reincarnated (2013 - als "Snoop Lion")
Ach ja, die Geschichte gab’s ja auch noch. Zum Hintergrund: Snoop hatte irgendwann von der Gewalt im Hip Hop genug, ist nach Jamaika gereist und dort zur Rastafari-Religion konvertiert (hat wohl nicht so lange gehalten, denn - Spoiler - fünf Jahre danach sollte er ein christliches Gospelalbum machen…). Am Ende der Selbstfindung stand dann “Reincarnated” - ein Reggaealbum. Oder sowas in der Art. Themenschwerpunkt überraschenderweise Gras. Das Teil ist übrigens exklusiv von Major Lazer (jop, die hier) produziert. Streng genommen ist das hier seit “Doggystyle” das erste Album mit Produktionen aus einer Hand.
Major Lazer machen ihren Job auch gar nicht so übel und liefern annehmbare Pop-Reggae-Dancehall Instrumentals (Ausnahmen wie „Get Away“ bestätigen die Regel). Und Snoop? Der kifft viel und wirkt überhaupt wie der verschlafene Hippieonkel, der irgendwas von „ wir brauche mmehr Liebbbe Leude“ nuschelt. Schlecht abgemischt ist er außerdem, mal wieder zu leise. Wie kann das eigentlich dauernd passieren? Aber immerhin: Er singt seinen Stiefel solide runter, rückt im Lichte der Gäste - unter anderem Drake und Miley Cyrus?! - aber auch gerne in den Hintergrund. Ist alles nicht spektakulär, aber selten richtig übel. Man merkt, dass Snoop Bock auf das Projekt hatte. Nach 11 Alben Gangsta-Pop-Rap nehme ich ohnehin jede Abwechslung und so wirkt die erste albumfüllende Reise in ein neues Genre wie eine Kur. Entspanned.
Bewertung: 2,5 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Auf “Fruit Juice” mutiert Snoop vollends zum Jamakainer.
13. Bush (2015)
Ungewöhnliche Vorzeichen in Doggyland. Ein sommerliches Synth-Funk Album, weit weg von grittiness oder Gangsta Gehabe und dann auch noch komplett von Pharrell bzw. den Neptunes produziert. Klingt ja ganz spannend, also frohgemut rein in die Masse. Nach einem halbwegs soliden Start wird aber schnell klar, dass den meisten Instrumentals Charakter fehlt. Stellt euch „Get Lucky“ in öde vor und ihr habt beispielsweise „I Knew That“. Apropos öde: Snoop ist auf der vertonten Poolparty „Bush“, auf der naturgemäß viel gesungen wird, der fünft- bis achtbeste Sänger. Sein entspannter Vortrag mit geringem Stimmumfang kratzt oft an der Grenze zur Langeweile. Letztlich geht das Album aber klar, mal wieder Mittelfeld. Wir sind nämlich an einem Punkt in Snoop Doggs Diskographie angelangt, an dem die Qualität eines Albums nicht mehr von Snoop Dogg abhängt. Der tut, was er tut und man muss hoffen, dass die Producer und Featuregäste liefern. Das tun sie auf „Bush“ jedenfalls manchmal. Stevie Wonder, Rhea Dummett, Pharrell, Charlie Wilson – ich danke euch.
Bewertung: 2,5 von 5 Doggydogs
Empfehlung: “Peaches N Cream” löst das Versprechen sonniger Spaßmusik noch am besten ein.
14. CoolAid (2016)
„CoolAid“ war Snoops erstes Rapalbum seit fünf Jahren. Da stauen sich Hoffnungen auf, Wünsche. Hat er wieder richtig Hunger? Vielleicht mal ein Soundkonzept? Einen roten Faden? Qualitätskontrolle??? Hahaha ihr Narren, natürlich nicht. Immerhin: Snoop hat wieder mehr Energie als beispielsweise auf einem „Malice n Wonderland“. Ist doch schon mal was. Diese Energie schlägt sich blöderweise vor allem mal wieder in der Spielzeit nieder. 77 Minuten, ARGH. Stilistisch gibt es von allem etwas, jetzt auch Trap, ist ja schließlich 2016. Könnte andererseits auch 2010 sein bei gleich drei Swizz Beats Feautures. Naja, 14 Produzenten auf 20 Songs bieten jedenfalls Abwechslung und sogar ein paar G-Funk Nummern verirren sich auf die Tracklist. Snoop liefert aber schwerpunktmäßig Pop Rap. Das Ergebnis ist durchwachsen von grausigen Seggsliedern und einem Haufen Performances und Songs fernab jeglicher Inspiration.
Bewertung: 2 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Werde “Legend” immer verteidigen. Der Beat geht doch komplett dumm.
15. Neva Left (2017)
Snoop hat die Hood also never geleavet (und was genau war „Reincarnated“?) und macht jetzt wieder Gangsta Rap. Und er besinnt sich endlich zurück auf seine Stärken. Die Beats sind zwar nicht alle G-Funk, aber zumeist straighte Oldschool Klopper von Battlecat und Co. Oldschool, funky - auf diesem Parkett fühlt Herr Dogg sich wohl und entsprechend wenig schockiert bin ich auch, dass der Trapversuch „Trash Bags“ komplett in die Hose geht. Aber es gibt erstmals seit weiß-Gott-wie-lang wieder mehr Grund zur Freude als zur Frustration. Vieles auf „Neva Left“ ist guter West-Coast Hip Hop. Das klingt jetzt zwar unspektakulär, aber dass das bei Snoopy D-O-doublegizzle öfter die Ausnahme als die Regel ist, sollte ja inzwischen klar sein. Bei „Lavender (Nightfall Remix)“ spukt sogar die Formulierung „spätes Karrierehighlight“ in meinem Kopf herum. Da eigt Snoop, dass er noch beißen kann, wenn er will. Und wo wir gerade bei Karrierehighlights sind: Ich muss weit zurückdenken, bevor ich auf Snoops Alben einen krasseren Featurepart finde als KRS-One auf „Let Us Begin“. Der zersägt da alles mit seinem Ge“brrrrr“üll. Ich hätte mir mehr Alben wie „Neva Left“ erhofft, als ich die Reise durch Snoops Diskographie angetreten habe.
Bewertung: 3,5 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Auf jeden Fall “Lavender” und die schön verklatschte Kifferhymne “420 (Blaze Up)”. Ja, die heißt wirklich so.
Ende von Teil 3.






