Neva Left? (Teil 2)
Die Diskographie von Snoop Dogg: Teil 2 - Die fetten Jahre und deren Ende
Wir sind in den 2000ern. G-Funk und Gangsta sind out, Bling ist in, Pop ist in. Das wusste auch Snoop Dogg. In den 2000ern versuchte er deshalb graduell, einen Sound zu finden, der etwas smoother daherkommt, aber mit einem zwielichtigem Image bespielt werden kann. So richtig festlegen wollte er sich dann aber doch nicht. Diese Jahre sind eher von Ziellosigkeit geprägt und von einigen Versuchen, Pophits zu landen. So holte er sich zum Beispiel gefühlt jeden Rapper, der in den Jahren 2000-2009 versehentlich einen Hit gelandet hat, ins Studio. So viele Features brauchen natürlich Platz, deshalb werden die nun folgenden Projekte zu echten Geduldsproben.
Seit Doggystyle hatte auch kein Album mehr einen einheitlichen Sound oder Stil. Damit meine ich nicht, dass alles nach G-Funk klingen muss, aber es gibt auch teils massive Qualitätsunterschiede in der Abmischung. Die fehlende Festlegung auf einen charakteristischen Sound sorgt dann dafür, dass es nach Tracksammlung und weniger nach Album klingt. Darüber hinaus probiert Snoop auf seinen Alben oft was aus (würd man gar nicht denken) und versucht's auf seltsamen Instrumentals. Das geht meistens kollosal schief. Da werden sich noch Abgründe auftun.
Aber genug der Vorrede:
6. Paid Tha Cost To Be Da Bo$$ (2002)
Alles neu macht 2002, also gibts mal wieder einen Labelwechsel und eine ganze Fußballmannschaft Produzenten für den Dogg. Das Ergebnis ist durchwachsen: Die erste Zusammenarbeiten mit Pharrell und smoothe Geschichten wie "Ballin'" auf der Habenseite. Ekelhaftigkeiten wie der Beat von "You Got What I Want" und eine Meeeenge Mittelmaß zähen diesen Vielköchebrei aber gehörig an. Was mich aber am meisten abschreckt, ist Snoops neugewonnene Pimp Persönlichkeit und die (nicht wenigen) Lines übers Frauenschlagen. Unangenehm. Insgesamt eine aufgeblasene und überlange Angelegenheit, bei der man die seltenen Goldstücke ("From Long Beach 2 Brick City") aufwendig freischaufeln muss. Erstmalig machen sich bei mir Ermüdungserscheinungen bemerkbar.
Bewertung: 2,5 von 5 Doggydogs
Empfehlung: "Ballin'" ist ein Highlight in Snoop Doggs Karriere, fantastisch gesungen von den Dramatics und einfach ohne Ende cool.
7. R&G (Rhythm & Gangsta): The Masterpiece (2004)
Direkt mal vorweg: Allmächtiger Gott, was ist diese Pimp-Scheiße schlecht gealtert. Die ich-verprügel-Frauen-Partyhymne "Can You Control Yo Hoe" und das SO! VERDAMMT! MIESE! "I'm Threw Witchu" sind purer Dreck. Davon abgesehen fängt "R&G" vielversprechend an mit einem saustarken Intro von The Alchemist und dem Todeshit "Drop It Like It's Hot" - zusammen mit "Let's Get Blown" und "Signs" die gelungenen Neptunes Produktionen auf dem Album. Die Beats funktionieren größtenteils eh ganz gut mit dem vertonten Computerabsturz "Can I Get a Flicc Witchu" als ohrenbetäubende Ausnahme. Circa ab Lied 9 - ein kurioser wie deplatzierter Crunk Ausbruch - erleidet das Projekt aber zunehmend Schiffbruch. In den 12 verbliebenen Songs finden sich mit "Oh No" mit einer starken Hook von 50 Cent und natürlich "Signs" nur noch zwei Highlights. Schade, denn nach dem Anfang war ich ganz guter Dinge. Aber Snoop Dogg Alben sind halt Snoop Dogg Alben und das heißt, es müssen 20 Tracks und 77 Minuten Spielzeit drauf. Ich mag es zwar ein wenig lieber als den Vorgänger, aber ein Masterpiece ist es sicher nicht.
Bewertung: 2,5 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Meine Empfehlung ist es, dieses Album - genau wie seinen Vorgänger - nicht komplett zu hören. Gönnt euch “Drop It Like It’s Hot” und seid glücklich.
8. Tha Blue Carpet Treatment (2006)
Das Album kommt mit einigen Lorbeeren daher und gilt als ein Lichtblick in seiner Diskographie. Das liegt zum Teil aber daran, dass die Hörer*innen irgendwann im Laufe der Reise von einem Mammutalbum zum nächsten mürbe geworden sind. Die Messlatte hängt tief, also rufen alle "HIMMLISCH!", wenn Snoop Dogg direkt zu Beginn mal drei anständige Lieder am Stück präsentiert ("Think About It", "Crazy" und "Vato"). Dennoch ist “Tha Blue Carpet Treatment” das Stärkste seiner 2000er Alben, auch wenn es an den gleichen Stellen wie die Vorgänger krankt. Zu lang, zu viel Quatsch, zu viele unmotivierte Features, ihr kennt die Leier mittlerweile. Auf Produzentenseite dürfen auch wieder alle mitmachen, die stärksten Instrumentals liefern wie gehabt Dr. Dre, der auf dem stimmungsvollen “Round Here” einfach den Beat von “Stan” kopiert, und die Neptunes. Die tragen den alten Supercrip dann auch über die Ziellinie.
Bewertung: 3,5 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Wer Snoop auf einem smoothen Jazz-Instrumental gottlos flexen hören will: “Think about it” ist ein Banger.
9. Ego Trippin' (2008)
Puuuuuuuuuuuuh...Ich hatte ja oben geschrieben, dass sich Snoop Dogg nicht zu schade ist, auch mal auf Instrumentals außerhalb seiner Komfortzone zu rappen/singen. Auf „Ego Trippin‘“ macht er kaum etwas anderes mehr. Das Ergebnis spottet stellenweise jeglicher Beschreibung. Snoop öffnet sein Kuriositätenkabinett und das Tor zur Hölle. Rap? Pop? Disco? COUNTRY?? Haben wir alles und klingt fast ausnahmslos katastrophal und hingerotzt. Das auf den sterbenden Synthies von „Life Of Da Party“ mal ein Platinrapper zu hören sein wird, hat wohl nicht mal der Produzent gedacht. Die letzten Tracks sind nicht ganz so grauenvoll und können ein wenig Soforthilfe leisten. Trotzdem: „Ego Trippin‘“ ist ein konfuser Haufen Scheiße von einem Snoop Dogg, den die Qualität seiner Arbeit nicht mehr interessiert. Mir fehlen die Worte, ich kann nicht mehr. Du hast mich gebrochen, Snoop.
Ach ja: "Sexual Eruption" sticht auf der Tracklist positiv heraus. Das sollte ganz gut andeuten, wohin die Reise geht.
Bewertung: 1,5 von 5 Doggydogs
Empfehlung: “Yeah, I like to dedicate this record right here to my main man
Johnny Cash, a real American gangster (…) Grand Ole Opry, here we come, uh”
(Der Grand Ole Opry wartet noch)
10. Malice n Wonderland (2009)
Den Stilwechsel vom Gangsta zum Pop Rap hat Snoop Dogg seit „Paid tha Cost…“ sehr subtil vollzogen und nun sind wir peu à peu bei einem Pop Album angelangt. Ein Pop Album mit mieser – und mies gealterter – 2009er Club-Produktion, einem schlafenden Snoop Dogg und schludriger Abmischung. Die Luft ist sowas von raus. „Malice n Wonderland“ ist hundsschlecht, aber es ist vor allem wahnsinnig egal und dated as fuck. Ich möchte mich deswegen gar nicht aufregen, obwohl es mehr als genug Anlass gäbe (R Kelly Feature, der Sound, ALLES). Erstmalig seit den 90ern sind wir wieder auf Gütelevel „Mixtape“ angelangt. Das Beste an dem Album ist die mit 53 Minuten verhältnismäßig kurze Spieldauer. Räudig.
Bewertung: 0,5 von 5 Doggydogs
Empfehlung: I guess “2 Minute Warning” ist nicht ganz so schlimm? Aber hört das Album ruhig mal durch und sagt mir wie geil 2009 war.
Ende von Teil 2.






