Neva Left?
Eine Reise durch die (Alben)-Diskographie von Snoop Dogg: Teil 1
Dem deutschen Publikum sollte Snoop Dogg spätestens seit 2008 ein Begriff sein. Da stieg er nämlich in einer Werbung für einen Mobilfunkanbieter aus dem Kühlschrank, um den Schlager “Schön ist es auf der Welt zu sein” im charmanten Kauderwelsch zu trällern. Musikinteresierten war der Doggfather aus Long Beach schon vorher ein Begriff. An “Drop It Like It’s Hot” kam man ein paar Jahre zuvor nicht vorbei und ohnehin war und ist Snoop Dogg eine der allgegenwärtigsten Personen in der Hip Hop und Popszene. Die glorreichen Tage des West-Coast G-Funks habe ich (Jahrgang 1994) dagegen nicht mitbekommen, mein erster Berührungspunkt mit dieser Musikrichtung war das Intro von GTA: San Andreas.
Ansonsten hatte ich mich mit der Musik von Snoop nie groß beschäftigt. Ich glaube, so geht es vielen. Snoop Dogg hat einen Status eines Mainstream-Prominenten (sogar in Deutschland), aber mit seiner Arbeit vertraut sind die wenigsten. In der Hip Hop Szene ist Snoop eine West Coast Legende und segnet mit seinen Features neuere West Coast Acts wie Kendrick Lamar auf ihrem Wege. Gleichzeitig haftet ihm der Ruf an, für Geld alles zu machen. Über seine Musik, die nach seinem großen Durchbruch 1993 erschienen ist, redet niemand. Mich nervt das immer etwas, wenn Leute abgekultet werden und keiner weiß warum.
Naja, Zeitsprung: Irgendwann diesen Januar war mir langweilig und so habe ich kurzerhand den Entschluss gefasst, mich durch alle Alben von Snoop Dogg zu hören. Dafür gab es keinen Grund und ich habe meine Idee nicht groß hinterfragt. Ich wollt’s einfach nur hören und wissen, ob das gut ist. Und damit der Aufwand - man wird später merken warum ich hier von Aufwand spreche - nicht umsonst war: Hier eine Reise durch alle 20 Studioalben von Snoop Dogg!
Kurz zur Vorgehensweise: Umfasst sind nur Studioalben von Snoop Dogg (und eines unter dem Namen Snoop Lion). Keine Kollabos mit anderen Rappern, keines seiner 19 Mixtapes (Snoop Dogg ist ein fleißiger Mensch), keins seiner Compilation Alben, keine EPs. Da es keine klare Defintition von Studioalbum gibt und die Abgrenzung zu Mixtapes und Resteverwertung nicht immer klar ist, ist man mit der Entscheidung, was man zum Kanon zählt, letztlich auf sich gestellt. Ich habe mich der Einfachheit halber an Wikipedia orientiert, da mir rym (rateyourmusic.com) in diesem Falle zu großzügig war mit der Klassifizierung als Album.
Noch ganz kurz zur Vorgeschichte: Snoop wurde irgendwann Dr. Dre vorgestellt und rappte 1991 auf einem bösen Dre Beat über das fröhliche Erschießen von Undercover-Cops. Seine erste Vorstellung. Dann war er Dauergast auf Dr. Dres West Coast Klassiker “The Chronic”. Sein Durchbruch.
Und dann gings endlich los:
1. Doggystyle (1993)
Wir beginnen mit DEM Album, was für G-Funk und Snoop Dogg steht wie kaum ein zweites. Und Tatsache, der berühmte G-Funk-Synthie spielt hier in jedem Song. Die Stimmung ist gelöst so wie auf einer sommerlichen Grillparty (mit Waffen). Heißt: Viele Freunde aus Snoops Crew sind hörbar anwesend im Studio und flexen fröhlich auf den exquisiten Dre-Beats. Es gibt Lieder, in denen der Gastgeber selbst den kleinsten Rapbeitrag leistet. Die Laune ist gut, die Produktion fantastisch, es klingt luxuriös. Thematisch wird es teilweise sehr Gangsta, aber immer entspannt. Ein Kuriosum im Hip Hop dürfte das weitgehend textidentische Cover von Slick Ricks “La-Di-Da-Di” darstellen, aber sogar das macht Spaß. Wir “Doggystyle” überhaupt viel Spaß macht, wenn man über teilweise bös und zumeist beiläufig misogyne Texte hinwegsehen kann. Böse Zungen behaupten, das sei Snoops einziges gutes Werk, aber das werde ich ja herausfinden.
Bewertung: 5 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Wer den Vibe catchen will, dem empfehle ich “Tha Shiznit”. Wer das nicht fühlt, wirds mit G-Funk grundsätzlich schwer haben.
2. Tha Doggfather (1996)
Hilfe, Dr. Dre ist weg, wer macht die Beats? Antwort: Daz Dillinger und DJ Pooh geben sich Mühe, aber mehr als solide wirds nicht. Den Gangsta Lifestyle hat Snoop auch hinter gelassen nach einer Anklage wegen Beihilfe zum Mord. Warum dann dieses Cover und der Titel? Passt nicht. Hier passt aber eh überhaupt nichts. Was auch immer Snoop Dogg da versucht hat mit seiner Stimme, es klappt nicht. Das ist nicht laid-back, das ist Rap am Morphium Tropf. Er wirkt jetzt schon hundemüde und das ist erst sein zweites Album, das kann ja was werden. Der Mix ist auch komplett Arsch und Snoop klingt dauernd zu leise, was die einschläfernde Wirkung dieses 74 Minuten Kolosses nochmal verstärkt. Funfact: Auf dem mit Abstand besten Song "Blueberry" rappt Snoop gar nicht. Beindruckend aus falschen Gründen, eins der heißesten Eisen 1996 vergeigt es total.
Bewertung: 1 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Wer wissen will wie es klingt, wenn Snoop Dogg einem Beat hinterherrennt, ohne ihn zu fangen, dem empfehle ich “Freestyle Conversation”
3. Da Game Is To Be Sold, Not To Be Told (1998)
Snoop hat das Label gewechselt und ist jetzt bei No Limit. Er wird auch nicht müde zu betonen, dass er jetzt „vacation down south“ macht. Seine neuen Labelkollegen sind natürlich seine Brüder (ob die wohl noch Kontakt haben?). Zur Musik: Den Dirty South hört man manchen Produktionen an. Dummerweise hört man denen aber auch an, dass sie im Fünferpack an einem Dienstagnachmittag für Mindestlohn runterproduziert wurden. Den Mix hat Snoop in den Griff gekriegt, die Saftlosigkeit hingegen nicht so richtig. Ein Haufen Features mit dem langweiligen No Limit Roster helfen da auch nicht. Für ein Mixtape oder meinetwegen ein Labelsampler wäre das gerade noch ok, aber als Studioalbum irrt das mit heißer Nadel gestrickte „Da Game“ zu sehr zwischen Stilen herum. Alles in allem aber etwas hörbarer als der Vorgänger (was ausdrücklich keine Empfehlung sein soll). Man muss an dieser Stelle festhalten: Bei anderen Rappern wäre nach zwei solchen Aussetzers so früh in der Karriere schon das Ende besiegelt gewesen.
Bewertung: 1 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Ich empfehle jedem das "öööööhhhh" in der Hook von "Whatcha Gon Do?" zur Abschreckung.
4. No Limit Top Dogg (1999)
Von der kreativen Knute seines Labelbosses erlöst, durfte Snoop auf seinem nächsten Album mal wieder selbst bestimmen, wo es langgeht und sich Zeit nehmen. Und siehe da: Das ist doch schon wieder ein ganz anderer Schnack. Der Dirty South wurde entlassen, gemeinsam mit der unterdurchschnittlichen Beatfabrik Beats by the Pound. An ihrer Stelle fabrizieren jetzt wieder Dr. Dre (zwar nur dreimal, aber immerhin), Meech Wells und DJ Quick. Und sie produzieren wieder amtlichen G-Funk. Das passt einfach zu Snoop und bewegt ihn zu energischeren Performances ("Snoopafella", "My Heat Goes Boom"). Xzibit schaut außerdem auf dem Banger "Bitch Please" vorbei und rappt alles nieder, schön. Fehlerlos ist es nicht und natürlich auch wieder viel zu lang (77 Minuten dieses mal). Aber nach den letzten beiden Fehlversuchen, läuft es bei "No Limit Top Dogg" wieder viel besser. Gut.
Bewertung: 4 von 5 Doggydogs
Empfehlung: Wie Snoop Dogg in “G Bedtime Stories” rein kommt mit “Great scotts, it’s hot today”, um danach den brutalsten Gangstashit zu rappen, ist so funny.
5. Tha Last Meal (2000)
Snoops letztes Album auf No Limit funktioniert ähnlich wie sein Vorgänger. Die Producer sind fähig (Hallo, Timbaland, Dr. Dre und Scott Storch) und Snoop hat Bock. Also haut's schon hin insgesamt. Etwas poppiger ist es vielleicht, schließlich singt Snoopy einige Hooks selbst. Geschmackssache dürfte der auf sieben (!) Songs vertretene Featurepartner-Schrägstrich-Hooksänger Kokane bleiben, der mal charakterstark ("Hennesey n Buddah") und mal… ich nenne es “eigenwillig” ("Stacey Adams") krächzt.
Im Übrigen hole ich mal kurz die Checkliste für Snoop Dogg Alben:
Album ist viel zu lang - CHECK (Minutenzähler steht bei 77);
ein Haufen Füller - CHECK;
ein überflüssiger No Limit Posse Cut im fachfremden Crunk Sound - CHECK (wenigstens mit denen sollte es ja jetzt vorbei sein);
einen kompletten BANGER mit homophoben/misogynen Bars vernichtet - CHECK (hier trifft es "Lay Low", schade um den Beat).
Bewertung: 3 von 5 Doggydogs
Empfehlung: In “Issues” rappt Snoop über seine - naja - Issues. Der Mann hat Probleme.
Ende von Teil 1.






